Seit einigen Tagen feiern wir Fasching, auch Fasnet und Fasnacht genannt. Bei uns in Baden-Württemberg, besonders in katholischen Gebieten, können wir Straßenumzüge nach alemannischer Tradition bewundern. Es gibt unzählige Hästräger, welche mit ihren aufwendigen, handgeschnitzten Masken die Besucher in eine andere Welt eintauchen lassen.
Für meine Töchter war dies zu Beginn sehr gewöhnungsbedürftig. Manche Masken und Kostüme sehen gruselig aus und der lachende Clown und die schöne Prinzessin, die Süßigkeiten werfen, wären ihnen sicherlich lieber gewesen. Mittlerweile können sie aber verstehen, dass sich unter der Maske eine Person wie du und ich versteckt, die sich in den närrischen Tagen nur in eine andere Rolle begibt.
Wir nutzen die Faschingszeit, um in eine andere Rolle zu schlüpfen, eine Maske anzulegen. Die Frage, die unseren Alltag daher auch gerade zuhause bestimmt, ist „als was möchte ich mich heute verkleiden?“
Eigentlich auch eine sehr philosophische Frage, die ich weiterspielen kann, ganz unabhängig von der Faschingszeit „Wer will ich sein? Welche Rolle will ich einnehmen?“. Will ich mehr „Clown“ sein und andere Menschen zum Lachen bringen. Mehr „Pippi Langstrumpf“, sorgenfrei und unbeschwert, oder mehr „Robin Hood“, um mich für Gerechtigkeit, sozialen Widerstand und den Kampf gegen Unterdrückung einzusetzen? Was passiert, wenn ich keine Maske trage, sondern die Rolle(n) lebe und in meinen Alltag integriere?
Meine Töchter fragten mich nach einem Gottesdienst, ob sich Jesus wohl auch damals verkleidet hat. Ich konnte die Frage rein sachlich beantworten mit „damals kannten die Menschen noch keinen Fasching“ und dennoch bleibt mir die Frage im Kopf, denn auch Jesus trat in unterschiedlichen Rollen auf.
Vielleicht können wir die bevorstehende Fastenzeit auch nutzen, um uns diese Frage zu stellen: Wer will ich sein? Welche Rollen möchte ich einnehmen und welche Spuren möchte ich hinterlassen?
Ich wünsche Ihnen weiterhin eine lebendige und lebensfrohe Fasnacht und einen guten Übergang in die kommende Fastenzeit.
Herzlichst, Sarah Faris Bibawi
Mitarbeiterin Geschäftsstelle VKL
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